24.01.2014

Kindermund, der Fünfundzwanzigste

Aus Kindermündern kommen die tollsten Wortkreationen und Wahrheiten. Weil ich nicht mehr so viele vergessen will, gibt es für sie hier immer freitags einen Platz. Ein Wort, ein Satz, ein Gespräch - ein Bild dazu. Schon die Überlegung, welches Foto sich mit welchem Kindermund verbinden könnte, beugt dem Vergessen vor. Wer mitmachen möchte, ist herzlich dazu eingeladen... 


Liebe Kindermundfreunde, wir bleiben beim Essen... denn es war DAS Thema in dieser Woche. Gepaart mit einer leichten Gereiztheit auf beiden Seiten ;-). Von vorn: es begab sich, dass ich des Nachts (2.08Uhr) von einem Geräusch aufwachte... Es erinnerte an jenes Stühlerücken, welches ertönt, wenn das Mädchen den Höhenunterschied zur Süßigkeitenschale überwinden möchte. Ich brauche ein paar Momente, um zu mir zu kommen und finde schliesslich ein Müsli essendes Kind neben einem leeren Schokoladenpapier in der Küche. Einen Abend später schleicht sich das Kind nach mehreren Diskussionen über das Zubettgehen zum gefühlten hundertsten Male wieder aus dem Zimmer. Diesmal tue ich so, als merkte ich es nicht. Auf Zehenspitzen läuft es an mir vorbei, schliesst sehr bedacht die Türe zur Küche hinter sich und widmet sich dem Stühlerücken mit den bekannten Folgen... Später kommt sie freudestrahlend zu mir und flüstert, ich hätte ja gar nichts gemerkt, hi hi, geht in ihr Zimmer und legt sich ins Bett. Sie musste wieder aufstehen und Zähne putzen... Seit zwei Tagen sind die Nächte wieder länger, der Appetit zum Abendbrot erfreulich, das Verlangen nach Süßem immer und überall ungebrochen. Vor dem Geburtstag werde ich nicht mehr einschreiten, so lange kann ich mir noch überlegen, wie ich mich überhaupt verhalten soll. Süßigkeitenschüssel abschaffen, gar die Süßigkeiten als solches oder doch einen großen Berg zur freien Verfügung bereit stellen und gucken, was passiert... Und nun zum eigentlichen Kindermund, der heute ein bisschen zur Nebensache geworden ist, aber das Thema nun wunderbar abrundet: Hinten auf dem Fahrrad sitzend, willentlich ohne Handschuhe, eben ein Käsebrot essend, quengelnd - MAMA, ich hab' kalte Hände und mein Käsebrot ist alle und ich bin immer noch ganz verhungerlich! Habt ein schönes Wochenende... PS: wir haben immer genug zu essen. 

Kommentare:

  1. und wenn man nächtens verhungerlich ist, dann hilft meistens nur süßes — eine alter bauernregel :)

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    1. lauthals lachend, vor allem über das "du hast gar nichts gemerkt". verhungerlich, welch schöner ausdruck!
      herzliche grüße
      dania
      (ps: zum thema essen, das hier schon des längeren ein sehr gereiztes ist: im kindergarten hat der wirbelwind behauptet, er habe seine mitgebrachte jause bereits aufgegessen und habe noch immer hunger, worauf mir ausgerichtet wurde, ich solle dem armen buben doch bitte mehr zu essen mitgeben. fakt: zuhause die jausenbox öffnend, stellte sich heraus, dass der inhalt unangetastet darin lag. auf meinen fragenden blick meinte der wirbelwind: ja schon, nur, das, was ich eigentlich gerne als jause hätte, war nicht drin und daher war's nicht gelügt, nur anders gesagt. mamablick noch fragender - na die anderen haben weiße semmeln mit schokolade mit oder kuchen und der s. zum beispiel darf zur jause gleich vier "obstwichtel" (name von mir geändert, da ich für das farbige zuckerzeugs keine werbung machen will) essen und dazu noch supermarkt kekse mit schokolade drin... siehst du, das war in meiner jausenbox gar nicht mehr drin, sonst wär sie jetzt auch leer. - da gehen mir dann oft die worte aus...

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    2. Oh, das Thema haben wir auch immer wieder. Einmal habe ich in einer Elternversammlung gefragt, ob es denn sein müsse, dass manche Kinder zum Frühstück Schokoriegel mitbrächten. Dabei habe ich natürlich an die anderen Kinder gedacht, die keine bekommen - wie unsere - und die dann (verständlicherweise) mißmutig und neidisch werden. Die Antwort? "Unser Sohn isst dazu ja auch was Gesundes!" Als ob das meine Sorge war...

      Liebe Grüße an Dich und natürlich Dich, Marja - heute fällt mir leider kein Kindermund ein :-(

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    3. Oh ja, Ihr Lieben. Das ist hier ganz genau so... Man schiebt das Kind mit seinem Frühstück in die Kita und sieht schon von Ferne die Schokoriegel leuchten. "Kinder dürfen auch mal was Süßes essen" heißt es dort... Das stimmt natürlich, zum Frühstück, morgens um acht finde ich es trotzdem unpassend. Zumindest in Form von Schokolade, Lolli und Co. Vielleicht ist die Schüssel bei uns deswegen so heiß begehrt? Weil das Kind morgens schon beim Anblick der fremden Brotdosen einen tropfenden Zahn bekommt... Seid lieb gegrüsst und habt ein feines Wochenende, Marja

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    4. Hör bloß auf... der Süßigkeitenkonsum im Kindergarten ist für mich ein absolutes Reizthema. Nach Festen (Fasching, Geburtstage etc.) werden noch tagelang die "Reste" unter den Kindern verteilt. Auf meine Bitte hin, Klara solle bitte außer zu den tatsächlichen Festen keine Süßigkeiten bekommen, weil Zucker u.U. ihre Neurodermitis nährt (das war natürlich gleich ne passende Ausrede, um einer Grundsatzdiskussion aus dem Weg zu gehen), kam die Gegenfrage: "Aber was können wir ihr denn dann anbieten, damit sie nicht traurig ist? Traubenzucker?" - meine innerliche Reaktion war "?!?!?!", aber ich hab dann doch eingelenkt und gesagt: "Meinetwegen, so lange es nicht an der Tagesordnung ist". Nun ärgere ich mich darüber, dass ich nicht gesagt habe: "Alternative? Na Obst natürlich, und vielleicht sollten die anderen Kinder nicht auch noch zusätzlich zu ihren P*nguis, M*lchschn*tten und Puddings von Ihnen Süßkram bekommen!!!" *grrrrrrr*

      Achso, und bei uns gilt die Faustregel "Unter der Woche keine Süßigkeiten." - allerdings muss ich gestehen, dass es in den Wintermonaten ganz schön eingerissen ist, besonders wenn man Weihnachtsschoki, Kuchen & Co. mitzählt ;). Im Sommer ist das aber sehr gut umzusetzen, da wir dann den ganzen Nachmittag draußen in der Wärme sind und uns sowieso nach erfrischenden Früchten sehnen.

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  2. Verhungerlich ist aber auch schlimm :)
    Hier haben beide Kinder ihre kleine Süßigkeitenschatzkiste und die wird mal mehr geöffnet und mal weniger, sind irgendwie solche Phase. Und solange sie MIR immer freiwillig und gern was abgeben, ist alles in Ordnung ;-D

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  3. Bestimmt ein ganz ganz schlimmer Wachstumsschub :-)))
    Verhungerlich ist so ein super Wort!
    Ganz viele liebe Grüße
    sendet dir Urte

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    1. Der wird es sein... der ist es immer... der Wachstumsschub... ;-) LG, Marja

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  4. Immer wieder ein Thema, der Süßigkeitenkonsum. War bei meiner Tochter nicht erfolgreich, bei der Enkelin auch nicht.
    Die meinte am Mittwoch, als sie von der Sofalehne auf meine Knie springen wollte: "Oma sei nicht so mareuse!" ( Mischung aus nervös & peureuse, frz. für schreckhaft ). ;-)
    Euch alles Liebe!
    Astrid

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    1. mareuse ist ein wunderschönes Wort! Klingt gar nicht mehr nach der eigentlichen Bedeutung... in einem schlimmen Falle hätte vielleicht auch porös aus der Mischung werden können ;-), also, liebe Astrid, sei nicht so mareuse... Herzlich, Marja

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  5. Das ewige Thema.... aber meine ist zum Glück noch nicht auf die Idee gekommen, mitten in der Nacht Süsses zu wollen :) Verhungerlich finde ich ein tolles Wort :)

    Meinen "Kindermund" gibt es heute hier :)
    http://marmelou.blogspot.ch/2014/01/freutag-und-kindermund.html

    Liebe Grüsse
    Melanie

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  6. tststs..sowas aber auch! 2.08Uhr? ist das nun die krönung des früh aufstehens oder hat sie sich dann doch nochmal abgelegt?
    ich erinnere eine zeit da hat R wohlmeinend von uns zwischen fünf und sechs (regelmässig!) circa jeweils drei bananen bekommen, hat als nulltes frühstück die nachtruhe enorm verlängert- und hat zum glück von selber wieder aufgehört. (gefühlt irgendwann zwischen abstillen und geburt des nächsten, also zwischen anderthalb und zwei...)
    oooch, das ps... sonst hätte es vielleicht a la "anarchistische umverteilung der güter" ein päckchensegen gegeben- auch was feines ;-)
    herzliche grüße!

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    1. sie ist noch einmal eingeschlafen... zum Glück! Und zum Päckchensegen - mmh, vielleicht lösche ich das PS wieder ? ;-)
      Herzliche Grüße zurück!

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  7. verhungerlich - klingt sehr nach mangel;););) sozusagen wortmalerei, bei der man die wangenhöhlen und rippen regelrecht vor augen hat;) deine kleine ist eine eigensinnige genießerin - so scheints. keine schlechte kombi, wie ich find;)
    liebst birgit

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Ich freue mich sehr über Eure Worte!